Welche Risiken beim Sparplan Investieren beachtet werden sollten

Eine kleine Geschichte zum Risiko

2015 und 2016 ging es an den Aktienmärkten rund. Der DAX (Deutscher Aktienindex) verlor 2015 innerhalb von einem halben Jahr etwa 25% seines Wertes (vom höchsten Punkt gemessen bis zum tiefsten Punkt). Anschließend stieg er in nur zwei Monaten um über 20%. Dann sackte er erneut ab, sodass er vom 2015er Hoch zum Tiefpunkt gesehen insgesamt etwa 30% seines Wertes verlor. Anschließend stieg der DAX unaufhaltsam immer weiter und erreichte bereits im Frühling 2017 ein neues Rekordhoch.

 

Als Investor und Trader erlebte ich diese Zeit als unfassbar spannend und lehrreich. Aber als Mensch auch emotional sehr, sehr anspruchsvoll. Die Kurse fielen und stiegen so schnell, dass es wirklich chaotisch war. Es gab durchaus Nächte, da konnte ich nicht gut schlafen. Und es gab Tage, da sah ich die Gewinne nur so sprudeln (weil ich auf einen fallenden DAX wettete). Während dieser Zeit unterhielt ich mich öfter mit einem Freund, der sehr viel Geld (als Einmalanlagen) in diversen Aktien hatte und innerhalb kürzester Zeit wahnsinnige Verluste hinnehmen musste. Bei ihm ging es aber um viel mehr Geld als bei mir als Student. Während ich bereits einige Gewinne gemacht hatte, waren es seine Verluste. Es gab allerdings einen gewaltigen Unterschied: Während ich immer weiter auf einen fallenden DAX setzte, behielt er die Nerven und ließ seine Aktien in Ruhe.

 

Als der Sturm vorbei war, war folgendes passiert: Ich hatte zunächst viel gewonnen, anschließend einiges verloren. Unter dem Strich blieb ein minimaler Gewinn. Mein Freund hatte zuerst viel verloren und dann viel gewonnen, unter dem Strich blieb ebenfalls nur ein kleiner Gewinn. Daraus habe ich gelernt: Das, was viele Anleger als "Buy and Hold" bezeichnen (Kaufen und in Ruhe lassen), ist gar nicht so verkehrt. Außerdem gehören solche Schwankungen dazu.

 

Sparpläne machen es Ihnen wirklich einfach, Ihre Investitionen in Ruhe zu lassen. Denn Sie müssen sich keinen schwierigen Entscheidungen stellen. Sparpläne bieten Ihnen darüber hinaus noch einen weiteren großen Vorteil: Sie kaufen immer wieder zum selben Betrag ein. Das führt dazu, dass immer unterschiedlich viele Anteile gekauft werden. Umso weniger, je höher die Kurse und umso mehr, je niedriger die Kurse. Der sogenannte Durchschnittskosteneffekt hat zur Folge, dass die Entwicklung von Sparplänen langfristig weniger schwankt als bei einer Einmalanlage. Ebenfalls führt er dazu, dass vor allem der Einstiegszeitpunkt über einen längeren Zeitraum gar nicht so wichtig ist. Genau darum glaube ich persönlich an die Überlegenheit von Sparplänen für die Mehrheit der Anleger, insbesondere auch für unerfahrene Anleger.

Das Verhältnis von Risiko zu Gewinn

Wie Sie anhand der Geschichte oben erkennen, sollte man das Risiko immer im Verhältnis von möglichem Verlust zu möglichem Gewinn sehen. Wenn Sie all Ihr Geld am Hochpunkt 2015 investiert hätten und am Tiefpunkt 2016 ausgestiegen wären, hätten Sie den größtmöglichen Verlust erlitten und, auf Deutsch gesagt, verdammt viel Pech gehabt.

 

Es ist theoretisch möglich, Geld zu verlieren. Das ist aber keine Aussage, dass dies wahrscheinlich passieren wird oder wie wahrscheinlich das ist. Auch wenn Sie lesen, dass die Aktienmärkte in der Finanzkrise 50-70% verloren haben, ist das immer im Verhältnis zu sehen. Solche extremen Crashs kommen nicht so oft vor. Die Aktienmärkte haben sich trotz solcher Rückschläge immer wieder erholt und sind deutlich gewachsen. Das entscheidende Stichwort lautet hier: Gewinn Risiko Verhältnis. Das Risiko, mit geringer Wahrscheinlichkeit einen hohen Verlust in kurzer Zeit zu erleiden, ist theoretisch da (sofern Sie Ihre Anteile dann verkaufen). Aber auch die Chance, mit hoher Wahrscheinlichkeit stetig Gewinne einzufahren. Solange das Verhältnis positiv ist, macht das Investieren langfristig Sinn.

Das Marktrisiko

Die Geschichte zeigt eines deutlich: Vorhersagen sind schwer und alle Investitionen müssen unter Unsicherheit getroffen werden. Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Daher müssen wir annehmen, dass was in der Vergangenheit passiert ist, auch zukünftig wieder passieren wird. Die Märkte sind von echten, menschlichen Investoren geprägt und diese weisen bestimmte Verhaltensmuster auf. Daher wiederholt sich die Geschichte so oft.

Als Faustregel lässt sich folgende Reihenfolge des Risikos ansehen:

Chart mit Sparplan Anlage Risiko Reihenfolge
Risikoreihenfolge vereinfacht dargestellt.

Die Rendite verhält sich übrigens meist genau umgekehrt zum Risiko: Je höher das Risiko, desto höher meist auch die Rendite. Natürlich ist das eine Vereinfachung, in der Realität muss das nicht genau so stimmen.

Der Grund dafür, dass Fonds etwas weniger risikoreich sind als ETFs, liegt an der aktiven Verwaltung. Der Fondsmanager hat hier zumindest die Möglichkeit, aktiv einzugreifen. Dass ETFs etwas weniger risikoreich als Einmalanlagen sind, liegt an der Diversifikation. Mit ETFs investieren Sie normalerweise in eine Vielzahl an Einzelinvestments gleichzeitig.

Das Währungsrisiko

Ein weiteres Risiko ist das Währungsrisiko. Wir bezahlen unsere täglichen Ausgaben in Euro. Doch was passiert, wenn wir in eine US-Anleihe oder z.B. einen MSCI World ETF investieren wollen? Sämtliche Rohstoffe und viele globale Indizes werden in US-Dollar notiert und gehandelt. Die Wertentwicklung findet dann in US-Dollar statt. Kaufen Sie zum Zeitpunkt X für Euro einen in US-Dollar notierten MSCI World ETF, dann tauschen Sie die Euro zunächst in US-Dollar und erwerben dann den ETF. Das Tauschgeschäft findet zu einem bestimmten Wechselkurs statt. Möchten Sie den ETF nun wieder verkaufen, so wird der Wert in US-Dollar automatisch wieder in einen Gegenwert in Euro zurückgetauscht. Dass sich der Wechselkurs in der Zwischenzeit gar nicht bewegt hat, ist unwahrscheinlich.

Diese Bewegung kann Ihnen einen Zusatzgewinn verschaffen, sie kann aber auch für eine niedrigere Wertentwicklung sorgen. Als Lösung gibt es sogenannte "gehedgte" (abgesicherte) ETFs und Fonds, die das Währungsrisiko möglichst minimieren. Das kostet dann ein bischen mehr Gebühren.

Das Kundeninformationsdokument

Die genannten Risiken sind wichtige Punkte. Jedes Investmentprodukt hat eine Kurzinformation (KIID), auch Kundeninformation oder Wesentliche Anlegerinformationen genannt. Schauen Sie sich dieses Dokument an, bevor Sie investieren. Damit sind Sie auf jeden Fall informiert über das, was Sie dort kaufen.

 

Im KIID finden Sie eine Risikoeinteilung, die es sehr leicht macht, das Gesamtrisiko einzuschätzen. Meist sieht dies so aus:

Risiko- Ertragsprofil KIID ETF Sparplan
Das Risikoprofil im KIID.

Auf dieser Seite haben Sie gelernt: Risiko sollte nie alleine, sondern im Verhältnis zum Gewinn betrachtet werden. Starke Schwankungen sind selten und gleichen sich über lange Zeit aus. Sparpläne profitieren vom Durchschnittseffekt und davon, in Ruhe vor sich hin zu arbeiten. Risiko Reihenfolge (mehr nach weniger): Bitcoin, Rohstoffe, Aktien, Anleihen. Bei Investitionen im Ausland gibt es ein Währungsrisiko, das mit speziellen ETFs oder Fonds ausgeschaltet werden kann. Im KIID finden Sie das Risikoprofil des Investments, dieses sollte zu Ihrem Profil passen.

Als Anleger gibt es verschiedene Möglichkeiten, Risiken zu verringern. Eines der wichtigsten Tools ist die Diversifikation. Wenn Sie möglichst viele verschiedene Eier in Ihren Korb legen, dann ist es Ihnen egal, wenn eines oder ein paar der Eier schlecht sind. Legen Sie nicht nur weiße und braune Eier, sondern auch kleine, mittlere und große Eier in diesen Korb. Am besten von unterschiedlichen Bauern, Hennen und sogar Vogelarten.

 

Wie Sie Ihr persönliches Risikoprofil als Investor ermitteln können, erfahren Sie hier:

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