Was ist ein Aktiensparplan? Warum eine Aktie kein "Zockerpapier" ist

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Die New Yorker Börse, hier werden Aktien auch für Aktien Sparpläne gehandelt. Bild: Rolf Kleef - "NYSE"

André Kostolany sagte einst: "Der Aktienkurs verhält sich zur Wirtschaft wie der Hund zum Spaziergänger. Er läuft oft voraus und kommt aber immer wieder zurück." Viele Anleger können nicht damit umgehen, dass Aktienkurse steigen und fallen und nicht immer nur steigen. Dadurch hat sich in Deutschland ein gewisse negative Grundhaltung zur Aktie verbreitet. Doch wer versteht, was eine Aktie ist und wie sie funktioniert, kann damit durchaus reich werden, wie Kostolany ebenfalls betonte.

 

Letztlich ist die Aktie eine Unternehmensbeteiligung, die unter Investoren an der Börse gehandelt wird. Im Gegensatz zur Anleihe, bei der ein Investor dem Unternehmen lediglich Geld leiht, besitzt man als Aktionär einen kleinen Anteil am Unternehmen. Hält man sogenannte Stammaktien, hat man ein Stimmrecht auf den jährlichen Hauptversammlungen.

Hinter jeder Aktie steht ein reales Unternehmen mit Menschen, die dort ihr Bestes geben, damit das Unternehmen gut läuft und alle genug Geld für sich und ihre Familien erhalten. Außerdem besitzt das Unternehmen Maschinen, Gebäude, technische Geräte, Produktionslager, usw., an all dem sind Sie als Aktionär beteiligt. Mehr als Ihren Anteil (den Aktienwert) können Sie übrigens nicht verlieren, Sie tragen also kein Haftungsrisiko o.ä. mit. Aus diesen Gründen ist eine Aktie eine der realsten Anlagemöglichkeiten, die es gibt und nicht umsonst zählen Aktien auch zu den sogenannten Sachwerten. Viele Menschen vergessen dies und denken, dass es sich bei Aktien um "Zockerpapiere" handelt oder dass die Börse dem Lottospiel gleicht.

 

Vielleicht denken Sie sich, es wäre am einfachsten, in die größten Unternehmen zu investieren. Denn dort erscheint das Risiko einer Pleite am geringsten. Das sehen natürlich viele andere Anleger auch so, daher ist die Aktien-Auswahl nicht ganz so einfach.

 

Grundsätzlich können Aktionäre in zwei Formen von Aktien profitieren:

Der Aktienkurs steigt und fällt mit Angebot und Nachfrage. Je höher die Nachfrage, desto höher der Kurs und umgekehrt. Kaufen Sie eine Aktie zu 10€/Aktie, wollen Sie natürlich, dass der Aktienkurs steigt. Dann können Sie die Aktie z.B. bei 15€/Aktie verkaufen und haben 5€ Gewinn/Aktie gemacht. Der Kurs spiegelt immer die Erwartungen der Investoren wieder und ist daher klar in die Zukunft gerichtet. Aktienkurse können jedoch auch so hoch steigen, dass die Gewinne der nächsten Jahrzehnte bereits im Kurs enthalten sind und damit kann ein Anleger natürlich nichts mehr an der Aktie verdienen. Die Aktie ist daher "überbewertet". Es kann auch gegenteilig passieren, dass Anleger zu pessimistisch sind und es einem Unternehmen eigentlich viel besser geht, dann ist die Aktie "unterbewertet". Der Aktienkurs ist also immer im Verhältnis zum tatsächlichen Unternehmenswert in der nahen Zukunft zu sehen. Um diesen Wert einzuschätzen, bedarf es in der Regel Fachwissen und das ist nicht ganz so schnell zu erlernen. Auf einschlägigen Finanzwebseiten findet man zu den meisten Unternehmen viele Kennzahlen, die bereits berechnet sind und mit denen man die aktuelle Bewertung analysieren kann.

 

Die Dividende ist eine Gewinnbeteiligung für die Aktionäre am Unternehmensgewinn. Bei einem profitablen Unternehmen wird ein Teil der Gewinne einbehalten und (hoffentlich) ein Teil als Dividende ausgeschüttet. Sie möchten als Anleger natürlich, dass a) der Gewinn möglichst hoch ist, damit auch die Dividende hoch ausfällt und dass b) möglichst viel vom Gewinn an Sie ausgeschüttet wird. Die sogenannte Dividendenrendite (Dividende pro Aktie geteilt durch den Aktienkurs x100, also z.B. 5€ Dividende / 20€ Aktienkurs * 100 = 25% Dividendenrendite) sagt aus, wie hoch der zu erwartende Anteil des Dividendengewinns ist. Eine zu hohe Dividendenrendite (z.B. größer als 5%) bedeutet, dass die Aktie sehr niedrig bewertet ist und es daher entweder dem Unternehmen nicht gut geht oder Anleger das Potenzial unterschätzen. Eine zu niedrige Dividendenrendite (z.B. unter 2%) sagt aus, dass entweder die Dividende zu niedrig ist oder der Aktienkurs bereits zu hoch ist und das Unternehmen überbewertet ist.

Die Dividendenrendite sollte idealerweise (nach Steuern) über der Inflationsrate liegen. Angenommen, der Aktienkurs bewegt sich nämlich jahrelang nicht vom Fleck, dann erwirtschaften Sie mit der Dividende immer noch einen positiven Gewinn. Die Dividende ist daher ein sehr wichtiger Anteil für den Aktien-Sparplan.

 

Regelmäßig in Aktien zu investieren, geht am besten mit einem Aktiensparplan. Ein kleiner Aktiensparplan alleine ist zwar möglich, allgemein ist jedoch ein Portfolio aus vielen verschiedenen Aktien (bzw. in Kombination mit ETFs und Fonds) weniger anfällig für einzelne Ausfälle und Schwankungen. Denn je nach Wirtschaftssituation oder speziellen Umständen, können manche Branchen und Unternehmen mehr profitieren bzw. verlieren als andere. Denken Sie an den Dieselskandal in jüngster Zeit. Die Autohersteller haben immer noch sehr hohe Gewinne, die Kurse sind aber deutlich zurückgegangen.

Wichtig zu wissen: Im Gegensatz zu Fonds- oder ETF-Sparplänen kann ein Aktiensparplan oft nur zu ganzen Stücken ausgeführt werden. Ihre Sparrate muss dann den Aktienkurs für eine Aktie übersteigen, ansonsten wird der Aktiensparplan nicht ausgeführt. Meist wird hier noch ein Puffer (z.B. 5%) eingerechnet, damit die Ausführung nicht zu knapp an einem Stück scheitert.

Eine Ausnahme bietet hier comdirect an. Dort kann ein Aktiensparplan auch für 25€ ausgeführt werden. Unabhängig davon, ob der aktuelle Kurs eines Anteils darunter liegt oder nicht.