Die Qual der Wahl: Welcher ETF ist der beste für Ihren ETF Sparplan?

Auf der Suche nach dem besten ETF für den ETF Sparplan
Warten auf den richtigen ETF? Lieber aktiv suchen! Bild: $A$RN - "At the Seashore"

Mittlerweile gibt es über 1.500 ETFs in Europa. Das bietet Ihnen eine große Auswahl, erleichtert aber nicht gerade die Suche.

Welcher ETF passt zu Ihnen?

Es ist wichtig, dass ein ETF zu Ihren Vorstellungen als Anleger passt. Im ersten Schritt des Sparplan-Baukastens haben Sie sich Gedanken über Ihr Risikoprofil gemacht. Dabei haben Sie einen Vorschlag einer groben Aufteilung zwischen Aktien & Anleihen in Ihrem Portfolio erhalten. Im zweiten Schritt haben Sie sich entschieden, in einen ETF zu investieren. Eine sehr gute Wahl.

 

Einflüsse auf das Risikoprofil:

 

  • Strategische Ausrichtung: Meistens beeinflusst die strategische Ausrichtung die Indexgröße und die regionale Ausrichtung, daher ist dies ein sehr wichtiger Faktor. Ein ETF, der auf eine bestimmte Branche ausgerichtet ist (z.B. die Automobilbranche), hat von vorneherein eine geringere Auswahlmöglichkeit an Unternehmen für den Index. Somit wird der ETF meistens auch weniger Titel enthalten und oft auch nur aus einer bestimmten Region (z.B. Europa, Eurozone, USA). Ein ETF, der weltweite Aktien abbildet, hat dagegen eine riesige Auswahl und wird daher meistens auch entsprechend viele Komponenten enthalten und eine hohe Diversifikation erreichen.
  • Regionale Ausrichtung: Genau wie die Größe des Index, bestimmt auch die Ausrichtung auf eine bestimmte Region oder ein bestimmtes Land, bzw. eine bestimmte Gruppe von Ländern das Risiko und die potenzielle Rendite. ETFs, die einzelne Länder abbilden, sind abhängiger von der Entwicklung der Wirtschaft in diesem Land. Regionen-Indizes teilen die Komponenten auf verschiedene Länder auf. Meistens hängen diese aber wirtschaftlich zusammen (z.B. Eurozone), sodass letztlich eine gewisse Abhängigkeit besteht. Trotzdem ist hier die Diversifikation etwas höher. 
  • Indexgröße: Ein wichtiger Faktor, der die Rendite und das Risiko beeinflusst, ist die Größe des Index. Ein großer, breit gestreuter ETF mit hunderten bis tausenden Komponenten (also Wertpapieren, in die der ETF investiert) sorgt für eine starke Diversifikation (Streuung). Das kann Schwankungen verringern und damit auch das Verlustrisiko senken. Ein sehr spezieller Index, der nur auf wenige Titel setzt, ist viel abhängiger von der Entwicklung einzelner Wertpapiere und kann daher höhere Schwankungen, aber auch bessere Renditechancen aufweisen. Es gibt allerdings Ausnahmen. So können kleine Indizes mit starken Unternehmen (sogenannte LargeCaps oder BlueChips) trotz kleinerer Größe weniger anfällig für Schwankungen sein. Die Größe hat meistens einen geringeren Einfluss auf das Rendite/Risiko-Verhältnis, als die anderen beiden Komponenten.

Weitere Kriterien:

  • ETF-Anbieter: Welchem vertrauen Sie am meisten? Zwar hat jeder ETF-Anbieter nahezu die gleichen Ziele, doch ist die Qualität der ETFs unterschiedlich. Die größten Anbieter iShares, Lyxor und db-x Trackers haben generell eine hohe ETF-Qualität, meist hohe Fondsvolumina, eine große Auswahl und langfristige Ziele. Hier ist die Gefahr am geringsten, dass ein ETF geschlossen wird, während Sie noch in diesen sparen. Andere Anbieter sind deswegen aber noch lange nicht schlecht. So können diese einzelne Produkte haben, auf die diese Anbieter sehr viel Wert legen und die deswegen besonders gut sind.
  • Ertragsverwendung: Ausschüttende ETFs zahlen die Erträge (Zinsen, Dividenden) mindestens einmal im Jahr an die Anleger aus. Legen Sie Wert auf ein regelmäßiges Einkommen, kann das für Sie nützlich sein. Thesaurierende ETFs legen dagegen die Erträge automatisch wieder an. Mit der Wiederanlage der Erträge wird der Zinseszinseffekt erhöht.
  • Replikationsmethode: Ein physisch replizierender ETF hält die Wertpapiere, die auch im Index (den der ETF abbildet) enthalten sind. Ein Swap-ETF bildet die Indexentwicklung über ein Tauschgeschäft ab. Physisch replizierende ETFs gelten nicht nur als sicherer, sondern auch als transparenter.
  • Kosten: Die Kosten werden meistens als pauschale Gebühr ausgedrückt, die jährlich im Fonds anfällt. Hierfür wird tagtäglich ein kleiner Bruchteil dieser Kosten vom Wert des ETF abgezogen. Grundsätzlich ist der ETF mit den niedrigsten Kosten natürlich sinnvoller, wenn es vergleichbare Produkte gibt. Das erhöht wiederum den Zinseszinseffekt. ETFs auf heimische Indizes sind am günstigsten, denn die Transaktionskosten für den ETF-Anbieter sind gering. Das kann für andere Länder aber anders aussehen, deshalb sollten Sie bei der ETF Auswahl die Kosten nicht als einzigen Faktor betrachten.

Die folgenden Tabellen zeigen Ihnen einige meiner Meinung nach interessante und (dem Anlagevolumen nach) beliebte Indizes als Beispiel für die jeweiligen Faktoren. Dies stellt explizit keine Anlageempfehlung dar und auch keine Werbung, sondern soll Ihnen lediglich Anregungen bieten.

Aktien-ETFs

Ausrichtung Beispiel-Index (Anzahl Titel) Risiko-Rendite-Stufe* Diversifikation
Größte Aktienunternehmen Deutschland DAX (30)

6

gering

Mittelgroße Aktienunternehmen Deutschland MDAX (50) 6 mittel
Technologie Aktienunternehmen USA NASDAQ 100 (100) 5 mittel
Große & mittlere Aktienunternehmen Europa STOXX Europe 600 (600) 6 hoch
Aktienunternehmen Weltweit MSCI World (1.600) 5 sehr hoch
Große Aktienunternehmen Eurozone mit hoher Dividende Euro STOXX Select Dividend (30) 6 gering
Aktienunternehmen Europa Automobilbranche STOXX Europe 600 Automobiles & Parts (17) 7 gering
Aktienunternehmen Schwellenländer MSCI Emerging Markets (800) 6 hoch
Große & mittlere Aktienunternehmen USA S&P 500 (500) 5 hoch
Große Aktienunternehmen China FTSE China A50 (50) 7 mittel

Anleihen/Renten-ETFs

Ausrichtung Beispiel-Index (Anzahl Titel) Risiko-Rendite-Stufe* Diversifikation
Anleihen aller Art mit bestem (Investment Grade) Rating Weltweit in $ Barclays Global Aggregate Bond (>20.000) 4 sehr hoch
Unternehmensanleihen in € mit bestem (Investment Grade) Rating Bloomberg Barclays Euro Corporate Bond (>2.100) 3 sehr hoch
Unternehmensanleihen in € mit schlechtem (High Yield) Rating Markit iBoxx Euro Liquid High Yield (400) 3 hoch
Staatsanleihen der Eurozone iBoxx Sovereigns Eurozone (340) 3 hoch
Liquide Staatsanleihen Schwellenländer in $ iBoxx Liquid EM Sovereigns (38) 4 gering
Staatsanleihen 7-10 Jahre Laufzeit USA in $ US Treasury 7-10 Year Bond (19) 4 gering
Anleihen aller Art mit bestem (Investment Grade) Rating USA in $ Barclays US Aggregate Bond (>2.500) 3 sehr hoch
Jumbo-Pfandbriefe mit bestem (Investment Grade) Rating Deutschland in € Markit iBoxx € Liquid Germany Covered Diversified (30) 2 gering
Unternehmensanleihen, die auf High Yield (schlechtes Rating) herabgestuft wurden in $ Weltweit ohne Schwellenländer Barclays Global Corporate ex EM Fallen Angels (347) 4 hoch
Hypothekenbesicherte Wertpapiere mit bestem (Investment Grade) Rating in $ USA Barclays US Mortgage Backed Securities (87) 3 mittel

Rohstoff-ETFs

Ausrichtung Beispiel-Index (Anzahl Titel) Risiko-Rendite-Stufe* Diversifikation
Rohstoffe ohne Landwirtschaft in $ Commerzbank Commodity ex-Agriculture (12) 6 mittel
Rohstoffe ohne Landwirtschaft in € abgesichert Commerzbank Commodity ex Agriculture EUR Hedge (12) 6 mittel
Rohstoffe mit Landwirtschaft in $ Thomson Reuters/CoreCommodity CRB (19) 5 mittel
Rohstoffe mit Landwirtschaft in € abgesichert Deutsche Bank Commodity Booster-Bloomberg EUR (22) 5 hoch
Goldminen-Aktien in $ Weltweit NYSE Arca Gold Bugs (17) 7 gering

 

Portfolio-ETFs

Ausrichtung Beispiel-Index (Anzahl Titel) Risiko-Rendite-Stufe* Diversifikation
60% Aktien, 30% Anleihen, 10% Rohstoffe Vermögensstrategie (11 ETFs mit insgesamt ca. 2.800 Titeln) 4 sehr hoch
55% Aktien, 45% Anleihen Portfolio Total Return (13 ETFs mit insgesamt ca. 9.100 Titeln) 4 sehr hoch

* Die Risiko-Rendite-Stufe wurde berechnet, indem der Risikoindikator aus den Kundeninformationsdokumenten (sofern möglich) mindestens drei verschiedener ETFs des jeweiligen Index betrachtet wurde und anschließend gemittelt wurde. Die Skala reicht von 1-7, wobei 7 die höchste und 1 die niedrigste Stufe ist. Ist das Risiko höher, ist meist auch die Rendite höher und umgekehrt.

Mit Hilfe dieser Kriterien können Sie Ihre ETF-Auswahl auf den Websites der Anbieter einschränken. Dort haben Sie die aktuellsten Informationen und sehr einfache Filter-Möglichkeiten.

Hier finden Sie den passenden ETF:

Ein paar Anekdoten zum Schluss

Möglicherweise haben Sie bereits Ihren passenden ETF gefunden, dann können Sie direkt mit Schritt 3 auf der Startseite weitermachen. Falls nicht oder falls es Sie interessiert, wie die realen Ergebnisse eines ETF-Sparplan-Anlegers in der Vergangenheit ausgesehen hätten, so finden Sie in den folgenden fiktiven Beispielen einige Informationen. Die Geschichten sind frei erfunden, alle erwähnten Daten sind jedoch real. Natürlich gibt es viele ETFs und auch Sparpläne noch gar nicht so lange, daher wurde bei nicht vorhandenen ETF-Daten auf die Daten des Index zurückgegriffen und darüber hochgerechnet.

 

Charlottes Geschichte:

Die kleine Paula erblickte Ende Dezember 1999 das Licht der Welt. Mutter Charlotte könnte kaum stolzer sein auf ihre Kleine. Doch blickt sie mit voller Sorge in die Zukunft. Was wird aus ihrer Tochter, wenn sie mal groß ist?

Sie beschließt einen ETF-Sparplan zu eröffnen und ab Januar 2000 25€ im Monat einzuzahlen. Sie wählt einen Dividenden ETF, genauer einen DivDAX ETF mit einer jährlichen Gebühr von 0,25%. Hinzu kommen jährliche Kosten in Höhe von 0,15% Spread und 1€ Ausführungsgebühr. Ende 2009 entschließt sie sich, die monatliche Sparsumme auf 50€ zu erhöhen, um die Inflation auszugleichen. Dadurch erhöht sich die Ausführungsgebühr auf 2€/Jahr.

Warum entschied sie sich für den DivDAX ETF? Ihr Plan war, einen ETF mit möglichst hohen Ausschüttungen zu kaufen, um von den Ausschüttungen ihrer Tochter zum Geburtstag und Weihnachten jedes Jahr ein schönes Geschenk kaufen zu können. Zum 18. Geburtstag soll Paula das angesparte Geld ausbezahlt bekommen. Der ETF hat sehr geringe laufende Kosten und ist mit großen deutschen Unternehmen relativ sicher aufgestellt.

Und siehe da: Ihr Plan ging voll auf. Obwohl sie mitten in der Rezession nach dem Platzen der 2000er-Blase einstieg, half der Sparplan beim Aufbau eines netten kleinen Vermögens und jährlich fielen Ausschüttungen an, die Paula tolle Geschenke bescherten. Schauen wir uns die Ergebnisse im Detail an. Insgesamt hat Paula durch die Ausschüttungen Geschenke in Höhe von 3.553€ erhalten. Da der Freibetrag nie überschritten wurde, steuerfrei. Zum 18. Geburtstag Ende 2017 kann sie sich über eine stolze Summe von derzeit 11.022€ vor Steuern freuen, hier kommen vielleicht sogar noch kleine Kursgewinne hinzu. Insgesamt beträgt die angesparte Summe damit bisher 14.575€, bei bisher 7.600€ Einzahlung. Das entspricht einer realen Rendite von fast 92% oder knapp 5,2% pro Jahr. Würde Paula sich das Geld schon heute auszahlen lassen, erhielte sie etwa 10.303€ nach Steuern (801€ Freibetrag berücksichtigt). Hier der genaue Verlauf:

ETF-Sparplan Rendite Beispiel DivDAX Tabelle
Verlauf des Sparplans für Paula mit Gesamtergebnis.

Max' Geschichte:

Max war Student. Im Oktober 2007 fing er mit dem Studium an und hatte seinen Plan bereits genau vor Augen. Zunächst würde er sein Diplom durchziehen, was 5 Jahre dauern würde. Anschließend würde er in den USA ein Auslandsjahr verbringen und dort Praxiserfahrung sammeln. Das Problem war nur, Max hatte wenig Geld. Es reichte ganz gut für das Studium, doch nach dem Studium würde er nicht das Geld haben, seine Pläne umzusetzen. Er beschloss einen ETF-Sparplan für 25€ im Monat anzulegen und das Geld in einen ETF auf den amerikanischen Technologieindex Nasdaq100 zu investieren. Ein thesaurierender ETF, der auch die im Index anfallenden Dividenden mit in die Wertentwicklung aufnimmt, obwohl der Index ein Kursindex (ohne Dividenden) ist. Der ETF hatte jährliche laufende Gebühren von 0,30%, hinzu kamen der Spread von 0,10% und Gebühren für die Sparplanausführungen in Höhe von 1€/Jahr. Da der Index in US-Dollar berechnet wird, bestand ein Wechselkursrisiko.

Er hatte schon mitbekommen, dass es an den Aktienmärkten nicht so rund lief und sich die Finanzkrise gerade anbahnte, doch er hatte keine Wahl und vertraute dem Sparplan. Dank des Kostendurchschnittseffektes kaufte sein Sparplan während der Krise zu sehr niedrigen Kursen und als sich die Weltwirtschaft erholte, lief sein Sparplan besser als erhofft. Der Euro/US-Dollar Wechselkurs verlief leicht zu seinen Gunsten, was die Wertentwicklung nochmals etwas erhöhte. Insgesamt zahlte er 1.500€ ein, am Ende hatte sein Depot einen Wert von 2.432€. Auf den Gewinn von 932€ fielen aufgrund des Freibetrages gerade mal knapp 32€ Steuern an, sodass er am Ende ziemlich genau 2.400€ hatte, um seine Reise anzutreten. Damit waren Hin- und Rückflug bezahlt und ein nettes Taschengeld für den Start hatte er auch noch. Die Gesamtrendite betrug damit solide 62% (12,4% p.a.).

ETF-Sparplan Nasdaq100 Rendite Beispiel Tabelle
Verlauf des Sparplans für Max' Studium mit Gesamtergebnis.